Kloster B.M.V. in Essen (seit 1652)

Das Kloster B.M.V. befindet sich seit 1652 in Essen. Die ersten Schwestern wurden von der Äbtissin des Reichstiftes Essen, Anna Salome von Salm-Reifferscheidt, aus dem Kloster des Ordens in Münster (Westfalen) berufen. Sie gab ihnen das Haus des ehemaligen Beginenkonventes im Altenhagen (II. Hagen, heutiger Hirschlandplatz), der 1299 gegründet wurde.

Essen unter französischer Herrschaft - die Säkularisierung

Wie die geistlichen Fürstentümer wurden nach 1803 auch die meisten Klöster in Deutschland aufgehoben. In den Jahren 1809-1811 nahm die Regierung des Großherzogtums Berg, zu dem Essen gehörte, die wirtschaftliche Prüfung in der B.M.V. vor mit dem Ergebnis: nach den Kriterien der Säkularisierung konnte das Kloster nicht aufgehoben werden, weil der Besitz zu gering war.

B.M.V. um 1900

Die Schule und das Kloster erfuhren über die Jahrhunderte steten Zuwachs, so dass 1931 aufgrund von beengtem Raum der Umzug an den heutigen Standort in Essen-Holsterhausen vollzogen wurde. Zu diesem Zeitpunkt besuchten ca. 1000 Schülerinnen die Schule und 52 Schwestern lebten in der Gemeinschaft. Am 7. September 1931, dem Vorabend des Festes Mariä Geburt, zogen die Schwestern endgültig in Holsterhausen ein, drei Tage später, am 10. September, zogen die Schülerinnen feierlich vom Haumannplatz zu ihrer neuen Schule.

Der Wahlspruch Pierre Fouriers, der ihn Zeit seines Lebens begleitete, schmückt die Eingangstore, welche zu Kloster, Schule und Kirche führen: Omnibus prodesse, obesse nemini. (Allen nützen, niemandem schaden.)

Bilder vom Neubau und der Grundsteinlegung in Holsterhausen

Die Zeit des Nationalsozialismus

Schon wenige Jahre nach dem Einzug in Essen-Holsterhausen begann die planmäßige Vernichtung der Schule durch das NS-Regime. Alle Bemühungen des Klosters und der Eltern um den Erhalt der Schule blieben erfolglos.

Am Karfreitag, dem 22. März 1940, erhielten die Schwestern den Bescheid über die endgültige Aufhebung der Schule. Mit folgendem Brief teilten sie dies den Eltern ihrer Schülerinnen mit:
"Heute, am Karfreitag, erhielten wir den endgültigen Bescheid, daß unsere Schule aufgehoben wird. Schmerzerfüllt geben wir diese Kunde umgehend den Eltern weiter.
288 Jahre lang haben wir Chorfrauen des hl. Augustinus uns hier in Essen um den Unterricht und die Erziehung der weiblichen Jugend gemüht. Unter dem Wahlspruch: Omnibus prodesse, obesse nemini - allen nützen, niemandem schaden - arbeiteten wir an der Heranbildung eines reifen, tapferen Frauengeschlechtes. Im Bewußtsein unserer Verantwortung haben wir auch in schweren und schwersten Zeiten unter großen Opfern die Schule aufrechterhalten.
Nun heißt es, unsere Arbeit niederlegen; tiefbewegt tun wir es.
Wir danken Ihnen, sehr verehrte Eltern, für das Vertrauen, das Sie uns geschenkt, und für Ihre Treue bis zum Ende. In derselben Treue werden wir mit unserem Gebete und unserem Opfer den Lebensweg unserer lieben Schülerinnen fortan begleiten. Gott möge aus unserem Karfreitagsopfer Segen werden lassen für unsere Kinder und deren Familien!
Die Augustiner Chorfrauen
aus der Congregatio B.M.V."

Die sechs noch bestehenden Klassen sowie die letzten vier nichtklösterlichen Lehrkräfte wurden an ein staatliches Gymnasium (Luisenschule) überwiesen. Die Räumlichkeiten der Schule sollten für andere Zwecke genutzt werden: einen Teil der Räumlichkeiten hatte die Stadt gemietet, auch die Luisenschule sollte darin untergebracht werden, wozu es jedoch nie kam.

Der 2. Weltkrieg

Nachdem am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg ausgebrochen war, wurden die von der Stadt gemieteten Schulräume zu einem Hilfslazarett umfunktioniert später wurden auch Männer des Sicherheits- und Hilfsdienstes und des Polizeipräsidiums darin untergebracht.

Ab 1942 war es den Schwestern verboten, Privatunterricht zu erteilen. Eine große Gruppe der Schwestern fand jedoch sinnvolle Beschäftigung in den Essener Pfarrgemeinden. Sie erteilten Religionsunterricht, bereiteten Kinder auf die Erstkommunion und Erwachsene auf die Konversion vor, leiteten Jugendgruppen und unterstützten die Mütter seelsorgerisch. So konnten sie auch ihrem Gründungsauftrag - der Bildung und Erziehung - treu bleiben. Einige Schwestern begannen Ausbildungen in der Krankenpflege und Paramentenstickerei, Sr. Franziska Wüsten (Lebensdaten) fertigte und verkaufte Weihnachtskrippen, andere kümmerten sich in unserem Erholungshaus Hasselssiefen (bei Siegburg) hingebungsvoll um Waisenkinder.

Als am 9. März 1942 die ersten Bomben in unmittelbarer Nähe fielen, blieben Kloster- und Schulgebäude verschont. Im Noviziatsflügel wurden über längere Zeit bis zu 160 Bombengeschädigte beherbergt und verpflegt.

Nach einem Angriff am 26. März 1944 stand das Haus an vielen Stellen in Flammen und die Kirche brannte völlig aus. Im letzten Moment, kurz bevor die brennende Decke einstürzte, konnte der Tabernakel mit dem Allerheiligsten geborgen werden. Die Schwestern versuchten stets nach einem neuen Schaden, einen Raum herzurichten, in dem die Eucharistie gefeiert werden konnte. Da die Gemeindekirche St- Mariä Empfängnis ebenfalls stark beschädigt war, fanden sogar die Gemeindegottesdienste in der jeweiligen Notkapelle unseres Klosters statt.

Weitere Angriffe im Oktober und November 1944 zerstörten das meiste, was zwischendurch zum Wohnen wieder provisorisch hergerichtet war, und am 12. Dezember wurde der Nordflügel des Klosters, der Noviziat, Refektorium und Küche beherbergt, völlig zerstört, die übrigen Gebäudeteile wurden schwer beschädigt.

Bis dato war der Konvent zusammengeblieben, nun aber wurden die alten und kranken Schwestern außerhalb der Stadt in Sicherheit gebracht, andere fanden Unterkunft in anderen Essener Klöstern. Nur zwölf Schwestern blieben bis zuletzt in der Bardelebenstraße.

Bei dem Großangriff am 11. März 1945 schließlich wurden Kloster und Schule in dem Bombenhagel derart zerstört, dass es auf dem ganzen Gelände keinen einzigen bewohnbaren Raum mehr gab. Die Schwestern befolgten die behördliche Aufforderung, das Ruhrgebiet zu verlassen, nicht, und harrten aus bis am 10. April 1945 für sie durch die Besetzung Essens durch die Amerikaner der Krieg zu Ende war.

            Blick auf die drei Tore                                                    Die völlig zerstörte Kirche                                Blick auf den Rühlefriedhof und das zerstörte Kloster

Der Wiederaufbau

Obwohl der Neuanfang in den Trümmern der Schule schwer war, war es für die Schwestern ein großes Glück, nach dem Kriegsende wieder unterrichten zu dürfen - ohne NS-Lehrpläne und NS-Unterrichtsinhalte. Am 19. Oktober 1945, also ein halbes Jahr nach Kriegsende, konnte der Unterricht an unserer Schule wieder aufgenommen werden. Sr. M. Angela Lohrmann, die damalige Direktorin, schrieb im Oktober 1946 in einem Brief: "Seit dem 19. Oktober 1945 ist unsere Schule wieder eröffnet - mitten in den Trümmern, mit 600 Kindern in nur zwei Räumen! Abwechselnd kamen die Schülerinnen anfangs, jede Klasse für wenige Stunden. Im Dezember wurde ein dritter Klassenraum beziehbar. Inzwischen haben wir wieder über 800 Schülerinnen in 21 Klassen und 14 Räumen, natürlich in Schichtwechsel, vor- und nachmittags. Überall liegen Trümmer oder sind Leute mit dem Wegschaffen derselben beschäftigt."

Der Unterricht war in der Anfangszeit auf die Fächer Deutsch, Mathematik, Religion und die drei Fremdsprachen beschränkt. Das Schuljahr 1946/47 konnte für 823 Schülerinnen in 21 Klassen bereits mit neun hergerichteten Räumen beginnen. Am Wiederaufbau waren auch die Schülerinnen beteiligt: sie brachten auf dem Schulweg ein bis zwei Ziegelsteine mit zur Schule. Hefte und Schulbücher waren Mangelware. So wurden Rückseiten von alten Formularen und sogar Zeitungsränder genutzt, um den Unterrichtsstoff mitschreiben zu können.

Dank vieler Spenden schritt der Wiederaufbau allmählich voran. Doch nicht nur das Gebäude musste wieder aufgebaut werden, sondern auch das Lehrerkollegium musste in einer Zeit größten Lehrermangels wieder anwachsen.

Auch der Konvent erlebte einen großen Aufschwung, was die Anzahl der Schwestern betrifft: Mitte der 1950er Jahre war mit 73 Schwestern die Höchstgrenze erreicht. Die Schwestern mussten sich z.T. zu zweit eine Zelle teilen.

 

Blick auf die Bardelebenstraße in der Zeit des Wiederaufbaus. Das mittlere Bild zeigt die Ziegelsteine, die die Schülerinnen auf dem Schulweg mitgebracht hatten.

Ein wichtiger Meilenstein in der Zeit des Wiederaufbaus war die Grundsteinlegung der Kirche im Jahr 1954 sowie ihre feierliche Konsekration durch Joseph Kardinal Frings am 6. November 1955. Von der Ausstattung der Kirche des Neubaus von 1931 war einiges erhalten geblieben, darunter auch die bunten Kirchenfenster von Johan Thorn Prikker und der Wandbehang hinter dem Altar.

                                          Kirche vor dem Krieg                                                       Kirche nach dem Krieg (1955)                   Schwesternchor nach dem Krieg (1955)

Als Schlusspunkt der Phase des Wiederaufbaus gilt die Einweihung der Aula im Jahre 1963. Doch steigende Schülerinnenzahlen machten Anfang der 1970er Jahre einen Erweiterungsbau unumgänglich, so dass ein Klassentrakt zum Schulhof hin angebaut wurde. Damit die Fläche des Schulhofes nicht zu sehr beengt wurde, wurden im Untergeschoss überdachte Arkaden errichtet.

Schließlich wurde der Pfortenbereich, der als Gelenkstelle zwischen Kirche, Kloster und Schule im Untergeschoss des Turmes angesiedelt ist, neu gestaltet und zusammen mit dem Neubau am 8. November 1976 von Bischof Franz Hengsbach eingeweiht. Der Ausbau der Schule ermöglichte die Aufnahme einer sechs- bis siebenzügigen Sexta.